Faktencheck: Mythen und Argumente gegen ein Pfandsystem

"Das Pfandsystem ist schlecht für Würstlstandl!” Um das 2025 in Österreich eingeführte Pfandsystem ranken sich noch immer viele Mythen. Was ist dran an den Aussagen? Wir räumen auf mit unserem Faktencheck!

6 Mythen gegen ein Pfandsystem

Bevölkerung will kein Pfand

Beginnen wir mit der Behauptung, eine Mehrheit der Bevölkerung spreche sich gegen die Einführung eines Einwegpfandsystems aus. Eine Studie (2020) zeigt klar, dass 83 % der Bevölkerung die Einführung eines Pfandsystems befürwortet. Den Menschen ist die Vermüllung durch Getränkeverpackungen offensichtlich ein Dorn im Auge und sie möchten eine saubere Umwelt. Der Zuspruch für Pfandsysteme ist auch in Ländern, die bereits solch eines haben, sehr hoch.

Die Trennbereitschaft wird sinken

Die Befürchtung, die Trennbereitschaft in der Bevölkerung würde bei Einführung eines Pfandsystems zurückgehen, lässt sich entkräften. Länder, die parallel zu Pfand mit einem guten Sammelsystem ausgestattet sind, weisen keinen Rückgang auf. Ein Pilotprojekt in Spanien hat sogar das Gegenteil bewiesen: Die Trennbereitschaft ist von 12 % auf 67 % gestiegenexternal link, opens in a new tab.

Kleine Geschäfte sterben

Kleine Geschäfte, Greißler und Würstlstände und dergleichen sind nur in beschränktem Ausmaß zur Rücknahme verpflichtet. Das heißt, sie müssen nur in üblicherweise pro Kunde verkaufter Anzahl und nur die Art Gebinde zurücknehmen, die sie selbst verkaufen. Durch die manuelle Rückgabe wird zudem der Kundenkontakt gesteigert und Händler bekommen eine kleine Vergütung (Manipulationsgebühr) für die Rücknahme von Einwegverpackungen. Außerdem können sich Standler an „hochfrequentierten Plätzen“ mit anderen Betrieben zusammenschließen. Sie können Kund:innen dann eine „gemeinsame Rücknahme“ wie etwa einen Supermarkt nennen.

 

Einwegpfand ist Todesstoß für Mehrweg 

Manche befürchteten eine rückläufige Mehrwegquote aufgrund eines Pfandsystems. Am Beispiel Deutschlands sehen wir aber, dass dies de facto nicht stimmt, da sie mit 42 %external link, opens in a new tab eine wesentlich höhere Mehrwegquote als Österreich (Stand 2023: 20 %) aufweisen. Generell sind Mehrwegsysteme in allen Ländern – ob mit oder ohne Einwegpfand – stark zurückgegangen. Deutschland hat seit 2003 ein Einwegpfandsystem und ist mit 42 % Mehrweganteil dennoch Weltspitze. Interessanterweise kommt dieses Argument von Organisationen, die sich in der Vergangenheit gegen verpflichtende Maßnahmen zum Schutz von Mehrweg gestellt haben. Nichtsdestotrotz ist Mehrweg das ökologisch sinnvollste Gebinde und muss daher auch zusätzlich gefördert werden. Es braucht ein Pfandsystem in Kombination mit verpflichtenden Mehrwegquoten. So schafft man eine Gleichstellung zwischen Einweg und Mehrweg und kann die Kreislaufwirtschaft in Österreich tatsächlich voranbringen - wiederverwenden, wo möglich und alles andere bestmöglich recyceln.

Pfand verhindert Littering nicht

Doch, sogar sehr. Pfandgegner:innen bezweifeln zum Teil, dass ein Pfandsystem das achtlose Wegwerfen von Getränkeverpackungen verhindern würde. Die hohen Rücklaufquoten in den zehn europäischen Ländern mit Pfandsystem beweisen das Gegenteil. Getränkeverpackungen werden häufig unterwegs konsumiert und daher auch öfter nicht sachgemäß entsorgt. Manche Auswertungenexternal link, opens in a new tab zeigen, dass Getränkeverpackungen sogar 76 % der Abfälle ausmachen.

Wir können die 90 % getrennt Sammelquote ohne Pfand erreichen

Nein! Diese Vorgabe für Plastikflaschen ist in der Einwegplastikrichtlinie verankert und muss von allen EU-Mitgliedstaaten bis 2029 erreicht werden, sonst fallen Strafzahlungen an. Internationale Vergleiche zeigen ganz klar, kein Land ohne Pfandsystem schafft eine Getrenntsammelquote von 90 %.

Der Faktencheck zeigt...

An hervorragenden Beispielen in ganz Europa sieht man, dass Pfandsysteme schon lange erprobt sind, eindeutig funktionieren und die Sammelquoten mit Leichtigkeit erfüllt werden können. Das Pfandsystem für Einweg und die stufenweise Erhöhung der Mehrwegquote sind die günstigsten und effektivsten Methoden, die EU-Vorgaben zu erreichen, die Umwelt von Littering zu befreien und die Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Darum – Pfand drauf!

 

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